Buchempfehlungen
11.04.2019 12:26

Das Hannibal-Syndrom: Phänomen Serienmord | von Stephan Harbort

Wolltest Du schon immer einmal wissen, wie ein Serienmörder tickt? Dann haben wir heute etwas für Dich! Das Buch ist jedoch nichts für schwache Nerven, denn hierbei handelt es sich nicht um einen fiktiven Krimi, sondern um die pure Realität. Der Autor, Kriminalhauptkommissar und Experte für Serienmörder Stephan Harbort analysiert und interpretiert in seinem 2001 erstmals erschienenen Buch Das Hannibal-Syndrom: Phänomen Serienmord alle deutschen Serienmörder von 1945 bis 1995.

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Gleich zu Anfang beginnt Habort seine Intention für das Buch zu schildern und liefert erste Definitionen zum Begriff des Serienmörders. Er klassifiziert sie, beispielsweise trennt er sie nach Unterkategorien auf, wie in etwa Sexualmörder, Beziehungsmörder oder Raubmörder. Dies versucht er stets in einem sehr wissenschaftlich gehaltenen Ton, beziehungsweise Kontext zu halten. Er stellt sogar selbst neue Definitionen auf, da ihm manche vorliegenden nicht ausreichen. Meiner Meinung nach ist es ihm jedoch nicht gänzlich gelungen seinem Werk ein vollständiges, wissenschaftliches Gewand anzulegen, da exakte Quellenangaben, beziehungsweise Fußnoten (zumindest wie sie in wissenschaftlichen Publikationen gängig sind) nicht vorhanden sind.

Nun ist es aber so, dass ich selbst das Buch nicht zu sehr in die wissenschaftliche Schublade stecken würde. Auf den ersten Blick habe ich das auch nicht erwartet, eher eine Art Bericht oder Biografie über Serienmörder, welche für jedermann verständlich und auch etwas unterhaltsam geschrieben ist. Daher würde ich sagen, sollte man nicht zu streng urteilen. Denn was Habort in seinem Buch beschreibt, sind auch vor allem seine eigenen Beobachtungen und Studien. Er geht vermehrt darauf ein, was er persönlich denkt und regt den Leser darüber hinaus zum Mitdenken an, in dem er auch Fragen stellt und aufwirft.

Stephan Habort beschreibt in jedem Kapitel einen einzelnen Fall eines von ihm analysierten Serienmörders. Dabei geht er vor allem auf die Hintergrundgeschichten der einzelnen Täter ein und versucht aus dem jeweils Erlebten wichtige Rückschlüsse auf das spätere Handeln zu ziehen. Vor allem die seelischen und psychologischen Aspekte werden eingehend betrachtet und mit den Taten in Verbindung gesetzt. Was ich sehr gut finde ist, dass er ebenfalls auf weibliche Serienmörder eingeht und dabei auch Unterschiede zu männlichen Tätern ausmacht.

Haborts Schreibstil geht dabei eine Verbindung zwischen wissenschaftlich-analytisch und berichtend-wertend ein, der aufgrund der Tatsache, dass der Text auf seinen eigenen Erfahrungen und Recherchen beruht, meiner Meinung nach völlig legitim ist. Das Buch lässt sich eben schwer in eine Schublade verstauen und soll auch Wissen mit Unterhaltung verbinden. Für mich war es gut verständlich und ich konnte es ohne Probleme fließend lesen. Natürlich kommt das auch immer ein Bisschen auf die eigenen Vorlieben des Lesers.

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Fazit: Das Buch bietet einen spannenden und aufschlussreichen Einblick in die Psyche verschiedenster Serienmörder, deren Geschichte einen oft erschaudern lässt. Täter ist bei Stephan Habort aber nicht gleich Täter, denn mit seinem genauen Profiling arbeitet er die feinen Unterschiede und Wirkungsursachen einzelner Schicksale heraus und bringt sie für den Leser verständlich zu Papier. Ich persönlich habe mich informiert und zugleich unterhalten gefühlt. Denn wenn wir mal ehrlich sind, beim Thema Serienmord tauchen wir in eine uns unbekannte und höchst unverständliche Welt ab, die uns aber zugleich fasziniert und schockiert. Natürlich ist der Schreibstil immer Geschmackssache, jedoch finde ich das Buch sehr gut lesbar. In einigen Rezensionen war von zu vielen Fachbegriffen die Rede, welche den Text holprig und unverständlich machen würden. Diese Meinung kann ich nicht teilen, jedoch ist das Buch auch kein seichter Roman, den man mal eben im Urlaub liest ;)

 

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