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12.04.2019 09:55

Der Horror der frühen Medizin: Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner | von Lindsey Fitzharris

Wir befinden uns nun im Jahr 2019 und glücklicherweise ist die Medizin schon so weit fortgeschritten, dass uns eine Entzündung nicht mehr so leicht ins Jenseits befördern kann. Trotzdem haben wir noch immer ein mulmiges Gefühl beim Gang zum Arzt – aber wie war das wohl für die Menschen während der Mitte des 19. Jahrhunderts?

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Joseph Lister gilt bis heute als Begründer der antiseptischen Chirurgie und Wundheilung. Er war ein Pionier in der Bekämpfung von Keimen und seine Entdeckungen halfen die Infektionsrate, unter anderem bei Operationen, drastisch zu senken. Anscheinend hatte Lister sogar schon früher erfolgreich mit Penicillin gearbeitet, jedoch kam ihm Fleming mit der Veröffentlichung seiner Ergebnisse zuvor. Trotz dessen wurde Lister eine Vielzahl von Ehrungen, Titeln und nach ihm benannte Gebäude, Preise und Orte (unter anderem ein Gletscher) zu Teil.

 

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Das Buch Der Horror der frühen Medizin: Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner (aus dem Englischen von Lindsey Fitzharris und übersetzt von Volker Oldenburg) widmet sich eben jener Zeit, in der die Medizin begann Fortschritte zu machen, welche uns zu unserem heutigen Foschungsstand führten. Die Kapitel klingen dabei mehr als furchterregend und ich bin nicht sicher, ob man das Buch auch in die Kategorie Thriller einreihen könnte. Beginnend mit „Das Zeitalter der Qualen“, später „Das Todeshaus“ oder auch „Der genähte Darm“ – darunter zum Glück Kapitel, die weniger schauderhaft klingen. Doch auch trotz des etwas reißerisch anmutenden Titels bleibt das Buch ein Zeitzeugnis realer Gegebenheiten, welches die damaligen Gegebenheiten beschreibend und faktisch abbildet.

Es werden Szenen der frühsten Medizin skizziert, welche eher Jahrmarktcharakter hatten. Die Anatomiesäle waren gefüllt von Schaulustigen, welche ohne jegliche Beachtung von Hygiene den Dreck der Straßen hineintrugen. Es stank fürchterlich und sogar berühmte Schriftsteller wie Jean-Jacques Rousseau schrieben über diese Spektakel und drückten ihre Abneigung darüber aus. Doch spannend sind vor allem die interessanten Anekdoten zu Lister und seinen Kollegen, die einem die Anstrengungen des medizinischen Fortschrittes aufzeigen. Lindsey Fitzharris schildert dies lebhaft in ihrer Nacherzählung und baut dabei immer wieder Zitate ein. Vom Anfänglichen Graus werden wir durch die Pionierarbeit hochintelligenter, passionierter Männer fasziniert und können wichtige Meilensteine der Medizin nachvollziehen.

Fazit: Das Buch ist fließend und kommt ohne übermäßig viele Fachbegriffe aus, die den Leser über den Text stolpern lassen würden. Mit Hilfe des Buches kann man lebhaft in die viktorianische Zeit eintauchen und die Anfänge der Medizin miterleben. Trotz dessen ist das Buch sehr visuell geschrieben und für schwache Gemüter, denen schon beim Gedanken an Blut und Eiter schummerig wird, eher nicht zu empfehlen.

 

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